Das Auto als Ziel für Cyberkriminalität?

30. September 2020 | gelesen in 3 Minuten

Die Autos von heute verfügen über eine Vielzahl an Sensoren, von Ultraschall-, über Video- und Lasersensoren, die im Zusammenspiel mit modernster Software und zahlreichen Fahrerassistenzsystemen agieren. Diese sollen sowohl die Sicherheit, als auch den Komfort während der Fahrt erhöhen. Der digitale Standard gibt mittlerweile vor, dass mehrere SIM Karten im Auto verbaut sind und dass Softwareupdates über das Internet heruntergeladen werden. Damit werden Autos jedoch zu möglichen Angriffszielen für Cyberkriminelle.

Um mit diesen Bedrohungen umgehen zu können, gibt es bei der Bosch Engineering GmbH eine eigene Abteilung, die sich mit der Cyber Security von Innovationen beschäftigt. Im 11. Bezirk in Wien, wo die Verantwortung für Cyber Security angesiedelt ist, ist auch Dr. Martin Schmiedecker tätig. Seine Aufgabe ist es, die Systeme und Autos vor böswilligen Angriffen zu schützen.

Von Anfang an sicher

„Früher musste man das Fenster einschlagen oder die Tür aufbrechen, um in ein Fahrzeug einzudringen. Durch die Digitalisierung und Vernetzung ist es möglich, aus der Ferne und selbst während der Fahrt die Kontrolle über ein fremdes Fahrzeug oder im schlimmsten Fall sogar gesamte Fahrzeugflotten zu erlangen“, erklärt Dr. Schmiedecker. „Die Auswirkungen können fatal sein – vom Lahmlegen des Motors bis zum Manövrieren des Fahrzeugs gegen einen Baum.“

Damit solch dramatische Szenen nicht real werden und die Fahrer modernsten Technologien vertrauen können, legen innovative Unternehmen wie Bosch höchsten Wert auf die Sicherheit der Produkte und Lösungen: „Bereits zu Beginn der Produktentwicklungsphase betrachte ich die Security Aspekte, analysiere mögliche Bedrohungsszenarien und gebe Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen ab. Kollegen aus der Entwicklung lassen diese dann in entsprechenden Codes in die Software einfließen“, erläutert der Bosch Security Engineer.

Vernetzte Mobilität der Zukunft

Bosch gilt als einer der Innovationsführer in der vernetzten Mobilität. Fahrerloses Parken – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum autonomen Fahren – ist dank Bosch und Daimler schon heute Realität. Ein Pfad der Zukunft ist schon vorgezeichnet: Autos werden zunehmend autonom fahren, die Software ausgewählter Komponenten wird bereits over-the-air aktualisiert und das Navigationssystem sucht die Zieladresse über Spracheingabe im Internet. Experten sprechen beim Auto der Zukunft vom „rollenden Rechenzentrum“. Damit nimmt auch die Komplexität der Software und Elektronik in den entsprechenden Steuergeräten und Fahrzeugcomputern drastisch zu. Und parallel dazu gewinnt auch die Cyber Security immer mehr an Bedeutung. „Für mich ist Bosch vorne dabei wenn es um die Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen in Hardware und Software geht“, betont Dr. Schmiedecker, der an der TU Wien Informatik studierte.

Mit Sicherheit am Ball bleiben

Als Security Engineer arbeitet man an Dingen, die erst in fünf Jahren auf der Straße fahren werden. Voraussetzung, um diesen Job meistern zu können, ist ein technischen Abschluss einer HTL, FH oder Universität, sowie Begeisterung für das Thema. Auch das Interesse an neuen Entwicklungen ist unabdinglich. „Es ist immens wichtig, am Ball zu bleiben, immer die neuesten Entwicklungen zu kennen“, bestärkt der Bosch-Experte. „Nur so kann man mögliche Auswirkungen auf Innovationsprojekte abwägen und entsprechend gegensteuern.“

Smartphone als Autoschlüssel

Die Vorteile eines digitalen Autoschlüssels: er ist bequem, sicher und immer und überall verfügbar.

Ein Projekt von Dr. Martin Schmiedecker, das in den kommenden Jahren für viele Fahrzeugklassen verfügbar sein wird, ist „Perfectly keyless“. Hierbei handelt es sich um ein Fahrzeugzugangssystem, bei dem ein eigener Autoschlüssel nicht mehr nötig ist, sondern der Schlüssel in einem Sicherheitschip im Smartphone gespeichert wird. Das Öffnen und Starten des Autos erfolgt mit Hilfe des Smartphones. Fest verbaute Sensoren im Auto erkennen das Handy des Besitzers mit Hilfe von moderner Kryptographie und sind damit sicherer, als ein Fingerabdruck.

Bei der Entwicklung von „Perfectly keyless“ verlief die internationale Zusammenarbeit auf höchstem Niveau: Dr. Schmiedecker stand dem US-amerikanischen Auftraggeber und Programmierern aus Melbourne als Cyber Security Experte beratend zur Seite. Er analysierte Kundenanforderungen und spezifizierte Sicherheitsanforderungen. So hält eine weitere sichere Innovation Einzug in Autos auf der ganzen Welt.


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